Lebensversicherung

Lebensversicherung – verschenktes Kapital?

Die Branche der Lebensversicherungen befindet sich in einer Krise. Immer mehr Anbietern bereitet die Gewährleistung der versprochenen Renditen große Probleme. Die Absenkung des Garantiezinses wird daher heftig diskutiert und wurde nun von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) – der berufsständischen Vertretung der Versicherungs- und Finanzmathematiker –als beschlossene Sache bekanntgegeben.

Lebensversicherungen sind in Deutschland das am weitesten verbreitete Altersvorsorgeprodukt. Lange Zeit galten sie als solide Geldanlage. Ein festgesetzter Garantiezins sowie eine Überschussbeteiligung brachten den Anlegern sichere Gewinne. In den letzten Jahren haben Lebensversicherungen durch den Verlust der steuerlichen Privilegien sowie durch den kontinuierlich sinkenden Garantiezins jedoch nach und nach an Attraktivität verloren.

Kontinuierlich sinkender Garantiezins

Der Abschluss einer Lebensversicherung vor 2000 brachte noch 4 % Garantiezinsen mit sich. Doch genau diese hohe Verzinsung führt nun zu massiven Problemen bei den Anbietern. Denn auch, wenn seit dem Jahr 2000 die Zinsen fortdauernd fallen und die maximale Verzinsung aktuell bei 1,75 % der Beiträge liegt, beträgt der durchschnittliche Zins 3,15 %. Dieser Satz belastet die Branche stark und kann Neukunden von vielen Versicherern nicht mal mehr als Überschusszahlung gewährleistet werden.

Schon seit Monaten ist die Senkung der maximalen Verzinsung (die Neukunden versprochen wird) im Gespräch. Wie FOCUS Online berichtet, haben die Experten des DAV nun eine Absenkung des Zinses auf 1,25 % empfohlen. Da eine solche Änderung eine Neuberechnung aller Tarife bedeutet, wäre die Neuerung erst im Januar 2015 möglich. Darüber hinaus sieht die Empfehlung der Experten nach drei Jahren eine erneute Reduzierung um einen halben Prozentpunkt vor. Der Grund für diese drastischen Maßnahmen sind die anhaltend niedrigen Zinsen.

Noch nicht beschlossene Sache

Allerdings ist das Vorgehen nicht in Stein gemeißelt. Der DAV hat immerhin ein Hintertürchen offengehalten: Die aktuelle Empfehlung soll nämlich im Laufe des Jahres noch einmal überprüft werden. Wenn es in dieser Zeit zu einer Stabilisierung des Finanzmarktes gekommen ist und auch die Zinsen wieder steigen, ist die Festlegung des Garantiezinses auf 1,5 % denkbar. Das heißt aber auch: Sinken wird der Satz in jedem Fall. Einzig die Frage nach dem Ausmaß bleibt noch offen.

Welche Bedeutung schon einzelne Prozentpunkte bei langfristigen Sparprozessen wie Lebensversicherungen haben, hat die Tageszeitung Die Welt in einem einfachen Beispiel veranschaulicht: Wer bei dem aktuellen Garantiezins von 1,75 % über einen Zeitraum von 30 Jahren pro Jahr 2.000, – € anspart, erzielt 79.399, – €. Bei einer Reduktion des Garantiezinses auf 1,25 % läge der Gewinn um ganze 6.238, – € niedriger und damit nur noch bei 73.161, – €. Das zeigt, dass der Unterschied zwischen 1,75 % und 1,25 % im Bereich der Lebensversicherung alles andere als marginal ist.

Branche im Zwist

Die momentane Situation spaltet die Branche: Kapitalstarke Anbieter sprechen sich für den Erhalt des Garantiezinses von 1,75 % aus. Doch gerade die kleinen Versicherer sind auf eine Senkung angewiesen um überhaupt weiterhin bestehen zu können.

Zwar würde eine Senkung des Garantiezinses eine Entlastung der Anbieter bedeuten, allerdings zu dem Preis, dass Lebensversicherungen dann noch weniger attraktiv für Neukunden wären. Anleger könnten dann im wesentlich nur auf eine gute Überschussbeteiligung hoffen, deren Satz in jedem Jahr neu festgelegt wird. Doch auch hier hat die Zinsflaute an den Kapitalmärkten einen deutlichen Rückgang bewirkt, so dass mit Überschussbeteiligung kaum noch nennenswerte Gewinne erzielt werden können.

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Leserkommentare
20. März 2014 08:45 Uhr
Das Drama um die Lebensversicherung

[…] Doch Fakt ist, dass das Argument mit dem Garantiezins in letzter Zeit zunehmend an Kraft verliert. Es ist vor allem der anhaltend niedrige Leitzins, der den Versicherern zu schaffen macht und es ihne…. […]

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