Kredit

Kredit kündigen – aber wie?

Kann man seinen Ratenkredit überhaupt kündigen? Und hat der Kreditgeber das Recht, den Vertrag zu kündigen? Ja und ja. Allerdings hängt die Kündigung des Kreditvertrages vom Zeitpunkt des Vertragsschlusses ab – und kann unter Umständen etwas teuer werden.

Am 11. Juni 2010 trat die neue Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft – seitdem ist es für Kreditnehmer sehr viel einfacher geworden, einen bestehenden Kreditvertrag zu kündigen. Wobei eine Kündigung im Falle eines Ratenkredits bedeutet, dass dieser vorzeitig teilweise oder ganz zurückbezahlt werden kann. Und zwar – seit Inkrafttreten der Verbraucherkreditlinie – jederzeit, ohne Wahrung irgendwelcher Kündigungsfristen.

Vorzeitige Rückzahlung kostet

Was zunächst so verlockend klingt, kostet aber. Denn wer vorzeitig von seinem Kreditvertrag zurücktritt, vermeidet zwar so Zinszahlungen. Jedoch hat der Kreditgeber die Möglichkeit, eine Entschädigung zu verlangen, die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung.

Allerdings ist diese vom Gesetzgeber gedeckelt. Was bedeutet, dass der Kreditgeber bei Krediten mit einer Restlaufzeit unter 12 Monaten nicht mehr als 0,5 % des Restsaldos und bei Krediten mit einer Restlaufzeit von mehr als 12 Monaten nicht über 1 % des Restsaldos verlangen darf.

Kündigung älterer Kreditverträge

Wer seinen Ratenkreditvertrag bereits vor dem 11. Juni 2010 abgeschlossen hat, für den gelten auch weiterhin die alten Kündigungsfristen. Was bedeutet, dass der Kredit mit einer Frist von drei Monaten zurückbezahlt werden kann.

Jedoch kann der Kreditgeber eine angemessene Bearbeitungsgebühr erheben. Und muss auch bereits geleistete Bearbeitungsgebühren nicht zurückzahlen.

Kündigung durch die Bank

Für den Kreditgeber ist die Kündigung des Ratenkredits ungleich schwieriger. So darf dieser nur kündigen, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Mindestens zwei aufeinanderfolgende Raten wurden nicht geleistet.
  2. Es bestehen Ratenrückstände von mindestens 5 % (bei einer Laufzeit von mehr als 3 Jahren) bzw. mindestens 10 % (bei einer Laufzeit von unter 3 Jahren) des Nennbetrags des Darlehens.
  3. Der Kreditgeber hat in einer dritten Mahnung die Kündigung des Ratenkredits angedroht – und zwar unter Wahrung einer zweiwöchigen Frist und mit Verweis auf die Folgen.

Wurden alle drei Bedingungen erfüllt, ist die Kündigung seitens des Kreditgebers rechtens. Wenn nicht, hat der Kreditnehmer die Möglichkeit, gegen die Auflösung des Kreditvertrags vorzugehen.

Autor
Susanne Herrenbrück
Erste Veröffentlichung
Letzte Aktualisierung