Finanzen

Investitionen mit Risiko

Die gängige Formel für profitable Geldanlagen lautet meist: Höheres Risiko = Mehr Rendite. Da Kapitalnehmer nicht immer explizit über die jeweiligen Risiken Auskunft gaben, mussten in der Vergangenheit etliche Anleger auch Verluste hinnehmen. Nun hat sich der Verbraucherschutz in der Finanzbranche eigentlich deutlich verbessert.

Doch wo die Anleger mehr nach hoher Redite schielen, als Risikohinweise zu beherzigen, gilt nach wie vor:

Etliche Geldanlagen sind sehr riskant – nur wer wirklich versteht, was dahinter steckt, sollte sich daran wagen. Wenn also mit überdurchschnittlich hoher Rendite von mehr als fünf Prozent geworben wird, sollten die Alarmglocken beim Anleger schrillen und der Verstand zu Rate gezogen werden.

Neues Gesetz zu Kapitalanlagen 2013

Um den Kapitalmarkt transparenter zu machen und die Anleger besser vor Verlusten zu schützen, trat im vergangenen Juli 2013 das neue Kapitalanlagegesetzbuch in Kraft. Darin finden sich zahlreiche Normen, Standards und Produktregeln, die innerhalb Deutschlands auf alle Investmentvermögen anzuwenden sind.

Im Trend mit geplanten EU-Richtlinien werden dadurch Bereiche des Kapitalmarkts strenger reguliert, als noch bei dem vorher geltenen Investmentgesetz.

Gerade schloss sich der Bundesgerichtshof mit einem Grundsatzurteil diesen Regulierungsansatz an. Er hat die Aufklärungspflicht von Banken bei offenen Immobilienfonds noch weiter gefasst.

Der Anleger muss bereits beim Erwerb der Anteile wissen, auf was er sich einlässt.

zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung Richter Ulrich Wiechers bei der Urteilsverkündung.

 Risiko-behaftete Immobilienfonds

Daneben sind daber auch geschlossene Immobilienfonds nicht unumstritten. Denn oft ist der Ertrag der Investments unsicher und damit das Verlustrisiko für die Anleger schlecht zu kalkulieren.

Und es finden sich immer wieder Schlupflöcher, die Regularien der Finanzbranche zu umgehen. Zum Bespiel fallen Anlageoptionen, die nicht von Geldinstituten, sondern von Unternehmen im Direktvertrieb angeboten werden, nicht unter die Aufklärungspflicht.

Auch Genussrechtsverträge unterliegen nicht der Neuregelung, da sie generell vermögensrechtlich eine Sonderstellung haben.

 Bei Insolvenz nachrangig

Im Fall einer Insolvenz droht im schlimmsten Fall der Kapitalverlust, denn man als Genussrecht-Investor ist man lediglich ein nachrangiger Gläubiger (sprich, wird erst nach allen anderen Gläubigern berücksichtigt).

So geschah es unter anderem bei der Prokon Holding, die sich auf erneuerbare Energie, insbesondere Windenergie, verlegt hatte und im Januar 2014 Insolvenz anmeldete.

In erneuerbare Energien wie Solarparks oder in Immobilien zu investieren, klingt nachhaltig und moralisch einwandfrei. Manchmal geht es aber in erster Linie darum, den Anlegern das Geld aus der Tasche ziehen.

Geschäftssitz außerhalb Deutschlands?

Negativ aufgefallen sind in dieser Hinsicht ungewöhnliche Renten- und Kapitallebensversicherungen mit Gesellschaftssitz außerhalb Deutschlands. Denn so ist das Unternehmen vor den Rechtsansprüchen der deutschen Anleger besser geschützt.

“Solche sachwert-basierten Renten- und Lebensversicherungspolicen eignen sich nicht als Basis für die Altersvorsorge. Kunden tragen das volle Anlagerisiko. Es gibt weder Mindestverzinsung noch garantierte Zahlungen. Ein Teil- oder Totalverlust ist möglich.” warnt die Stiftung Warenest in der test-Ausgabe 5/2012.

Nebulöse Darlehen

Mit Vorsicht zu genießen sind daneben auch unregulierte Darlehen wie Nachrangdarlehen. In Eigenregie muss sich bei dieser Darlehensform der Anleger selbst Informationen zu den beteiligten Gesellschaften beschaffen und sein Risiko kalkulieren.

Die Informationspflicht des Darlehensnehmers ist eingeschränkt und – aus unternehmerischer Sicht verständlich – wird die Nachrangigkeit nicht immer besonders hervorgehoben.

Ebenfalls Haken haben Lebens- und Rentenversicherungspolicen, deren Wertentwicklung auf Investitionsobjekten wie Immobilien, Gold, Solarparks oder Rohstoffen basiert.

„Es gibt einen Zusammenhang zwischen versprochener Rendite und Risiko. Man sollte nur in Produkte investieren, die man versteht, und eine gesunde Skepsis an den Tag legen“, lautet das Urteil der Präsidentin der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht), Elke König.

Wer sich über konkrete Geldanlagen, die in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind, informieren möchte, kann sich unter test.de/warnliste eine Warnliste der Stiftung Warentest für 2,50 Euro downloaden.

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