Innere Kündigung – die vermeidbare Katastrophe
Laut einer Gallup-Umfrage im Frühjahr 2014 identifizieren sich nur noch 16 % der Arbeitnehmer mit ihrem Job. Zwar ist demnach die Zahl derer, die innerlich gekündigt haben, von rund einem Viertel auf nur noch 17 % gesunken, doch auch das ist eine höchst alarmierende Zahl, die darauf hinweist, dass in vielen deutschen Unternehmen etwas falsch läuft.
von Gerrit Wustmann
© jakubzak/thinkstock

Zudem leisten über zwei Drittel nur Dienst nach Vorschrift. Ein weiteres fatales Signal. Laut Gallup entsteht hierdurch jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von über 100 Milliarden Euro.

Nicht nur für die betroffenen Unternehmen ist dies ein katastrophaler Zustand – auch für die Mitarbeiter ist die Lage alles andere als angenehm. Dabei ließe sich das vergleichsweise einfach ändern. Wer keine oder nur eine sehr geringe emotionale Bindung an seinen Job und seinen Arbeitsplatz bzw. seine Firma hat, der wird sich logischerweise auch nicht sonderlich engagieren. Er sitzt oft demotiviert bis frustriert seine Zeit hinterm Schreibtisch ab, immerhin wird nach Stunden bezahlt. Er entwickelt keine neuen Ideen, bringt weder Team und Abteilung noch seine Firma in irgendeiner Weise voran. Das Ergebnis ist im besten Fall Stagnation, im schlimmsten Fall kostet der Mitarbeiter mehr als er einbringt. So schlimm das klingt, es ist ein nachvollziehbares Verhalten, wenn man sich in betroffene Arbeitnehmer hineinversetzt.

Innere Kündigung durch schlechtes Management

Seit Jahren stagnieren in Deutschland die Löhne oder halten allenfalls gerade so mit der Inflationsrate mit. Viele Unternehmen sehen ihre Mitarbeiter vor allem als Kostenblock, an dem immer weiter gespart werden kann (der Begriff „human resources“ ist hier bezeichnend für eine Geisteshaltung). Doch nur die kurzfristige Einsparung, nicht aber die langfristigen Verluste zu sehen, die diese Taktik mit sich bringt, ist ein Ausdruck von Dilettantismus im Management. Das Gehalt ist nicht zuletzt auch ein Ausdruck von Wertschätzung, und wenn es unangemessen niedrig ist, stellt das eine klare Botschaft an den Arbeitnehmer dar. Dass seine Motivation leidet, ist nur logisch. Dasselbe gilt für das Arbeitsumfeld und die Betriebsatmosphäre. Diese angenehm und flexibel zu gestalten, mag Geld kosten, doch es rechnet sich mehrfach, wenn die Belegschaft dadurch guter Dinge ist. Wer eine enge emotionale Bindung zum Unternehmen hat – auch das geht aus der Studie hervor – ist deutlich seltener gestresst und hat auch weit geringere Fehlzeiten wegen Krankheit.

Work-Life-Balance kippt zuungunsten des Arbeitsplatzes

Je mehr Mitarbeiter sich innerlich verabschieden, desto tiefer sinkt das Betriebsklima insgesamt, denn schlechte Stimmung überträgt sich. Und wenn Einzelne dann auch noch tatsächlich kündigen, setzt sich ein kaum mehr aufzuhaltender Abwärtstrend in Gang und damit ein Teufelskreis: Denn wer im Job ständig unzufrieden ist, der bringt die schlechte Laune zwangsläufig auch mit nach Hause.

Den Arbeitnehmer als Verfügungsmasse zu verstehen, die nur zu leisten aber nichts zu beanspruchen hat, ist ein fataler Weg, der auf Dauer nicht funktionieren kann. Und er zerbricht an seinen inneren Widersprüchen: Es soll hier Geld gespart werden, um die Rendite zu erhöhen, das Ergebnis ist aber das Gegenteil, zumindest langfristig. Die direkte Folge davon ist auch, dass immer mehr Menschen ihre Work-Life-Balance zugunsten von mehr Freizeit und weniger Arbeit austarieren, weil ihnen private Zufriedenheit wichtiger ist als ein immer unsicherer werdender wirtschaftlicher Erfolg.

von Gerrit Wustmann
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