Inflation – wo steigen die Kosten?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins zuletzt auf 0,15 % gesenkt, den tiefsten Stand seit über fünf Jahren. Ziel der Maßnahme ist es, den Geldwert stabil zu halten. Dies geht einher mit einer höheren Inflation. Doch warum ist das so? Und wo steigen die Preise für Verbraucher tatsächlich? Viele Menschen glauben außerdem, dass die (gefühlten) Preissteigerungen etwas mit dem Euro zu tun haben. Aber stimmt das auch?
von Gerrit Wustmann
© Noel Hendrickson/thinkstock

Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der EZB leihen. Je niedriger er ist, desto mehr Geld wird abgerufen. Damit soll die Konjunktur angekurbelt werden. Auch für Verbraucher und Unternehmen werden Kredite billiger, es wird mehr konsumiert und investiert. Zugleich steigt aber auch die Inflation, denn je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger ist es wert.

Im Nachteil sind außerdem Sparer, denn auch die Zinsen auf ihre Einlagen sinken – und wenn diese Zinsen niedriger sind als die Inflationsrate (das ist Zur Zeit der Fall), dann verlieren Sparer auf lange Sicht Geld. Die Sparguthaben entwerten sich selbst. Das liegt daran, dass die Preise schneller wachsen als die Guthaben. Für den Staat ist dies jedoch ein gutes Mittel, um seine Neuverschuldung zu reduzieren. Ein großer Teil der jährlich neu anfallenden Staatsschulden sind Zinsen auf bereits bestehende Schulden. Sinkt der Zinssatz, steigt auch die Schuldenlast wesentlich langsamer.

Gefühlte Teuerung?

Aber auch schon vor der historischen Leitzins-Senkung hatten die Verbraucher das Gefühl, dass alles ständig teurer wird und immer mehr Geld zum Leben zur Verfügung steht. Viele bringen das mit dem Euro („Teuro“) in Verbindung. Tatsächlich hat die Währung damit aber kaum etwas zu tun. Sieht man einmal davon ab, dass viele Unternehmen die Währungsumstellung 2002 dazu genutzt haben, ihre Preise zu erhöhen.

Tatsächlich ist die Inflationsrate zuletzt gesunken. Lag sie 2011 im Jahresschnitt noch bei 2,4 %, liegt sie in der ersten Hälfte von 2014 nur noch bei 1,07 %. Allerdings schütteln viele Verbraucher bei diesen offiziellen Zahlen verständnislos den Kopf, weil sie überzeugt sind, dass die Inflation deutlich höher ist – und oft haben sie damit auch Recht. Denn es handelt sich hier um Durchschnittswerte eines repräsentativen Warenkorbes, der stark von den individuellen Verhältnissen abweichen kann. Einen detaillierten Überblick über die Veränderung der Preise können sich Verbraucher auf der Seite des statistischen Bundesamtes verschaffen.

Was wird teurer? 

Ein Problem ist, dass sich die ökonomischen Verhältnisse vieler Bundesbürger in den letzten zehn Jahren stark verändert haben. Zwar ist die durchschnittliche Kaufkraft heute fast doppelt so hoch wie Mitte der Neunziger Jahre, es gibt aber breite Bevölkerungsschichten, bei denen davon kaum etwas ankommt. Wer wenig verdient, bei dem schlägt die Inflation mit voller Wucht ein. Denn es sind in erster Linie unverzichtbare Dinge des täglichen Bedarfs, die teurer werden, während die Löhne der unteren Einkommensschichten seit Jahren stagnieren. Die Löhne bleiben also hinter der Inflation zurück mit dem Ergebnis, dass real tatsächlich immer weniger Geld zur Verfügung steht.

Unter anderem deshalb gab es längst Überlegungen, Arbeitslosengeld und Mindestlöhne regelmäßig um den Faktor der durchschnittlichen Inflationsrate anzuheben. Seit Jahren steigen beispielsweise die Energiepreise und die Mieten sowie bestimmte Lebensmittel. Elektrogeräte wie Fernseher oder Computer werden hingegen immer günstiger. Da letztere aber nur alle paar Jahre neu angeschafft werden, Strom, Heizung und Essen aber jeden Monat bezahlt werden müssen, liegt die Inflationsrate unterer Einkommen wesentlich höher.

Zugleich verhindern die Niedrigzinsen, dass Arme Geld beiseitelegen und etwas ansparen können. Das führt dazu, dass ein Teil der Bevölkerung immer weiter von der tendenziell guten Wohlstandsentwicklung abgekoppelt wird.

von Gerrit Wustmann
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