Versicherungen

Immer Ärger mit … der Versicherung

Wichtige Versicherungen tendieren dazu, mit dem Alter des Versicherungsnehmers teurer zu werden. Auch unser Redakteur hat gerade eine Beitragserhöhung seiner Zahnzusatzversicherung erhalten. Und die Art, wie das verkündet wird, geht ihm mächtig auf den Keks. KOLUMNE

Immer Ärger mit … der Versicherung

©Bojan89 / iStock

Ich bin versichert. Im Gegensatz zur Mehrheit meiner Landsleute bin ich zum Glück nicht überversichert. Neben der gesetzlichen Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung gönne ich mir eine Privathaftpflicht, eine Reisekrankenversicherung und eine Zahnzusatzversicherung. Das Nötigste also. Die private Versicherungsindustrie ist mir schon unsympathisch genug, wirkt sie doch nach Kräften und mit Hilfe ihrer Lobbyistenarmee in Berlin an der Erodierung der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung mit. Denn jede private Zusatzversicherung lässt kräftig ihre Kassen klingeln. Und dass die Politik vehement für die vermeintliche Notwendigkeit privater Vorsorge trommelt, lässt in den Chefetagen der Versicherer regelmäßig die Korken knallen.

Zweiklassenmedizin erkennt man am Gebiss

Dass ich überhaupt eine Zahnzusatzversicherung brauche liegt darin ebenfalls begründet. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, bevor das Gesundheitssystem von einer gewissen SPD-Ministerin kaputtreformiert wurde. Da war Zahnersatz noch eine Leistung der gesetzlichen Kassen. Ein solidarisches Gesundheitssystem, das bedeutete auch: Man erkennt die Armut eines Menschen nicht an seinen Zahnlücken. Heute ist das wieder anders.

Wenn jemandem ein Schneidezahn fehlt und sein Lächeln verunstaltet, weiß man: Der kann sich die Zusatzversicherung nicht leisten. Eine Zahnlücke ist ein erschreckendes Symptom einer Zweiklassenmedizin geworden. Und eine Zweiklassenmedizin ist ein Symbol einer entsolidarisierten Gesellschaft. Dabei wäre das gar nicht nötig. Den Kassen geht es finanziell gut. Noch besser würde es ihnen gehen, wenn es die Beitragsbemessungsgrenze nicht gäbe, durch die sich Gutverdiener aus der Verantwortung ziehen können. Doch auch die Gesundheit wird Schritt für Schritt profitorientierten Marktinteressen unterworfen. Das geht so weit, dass Krankenhäuser in Deutschland nachweislich eine Vielzahl an völlig unnötigen Operationen und Behandlungen durchführen. Weil es Geld bringt. Der Patient spielt in so einem System keine Rolle mehr. Daran sollten insbesondere die Privatpatienten denken. Denn die operiert man besonders gerne, bringen sie doch deutlich mehr Profit als gesetzlich Versicherte.

Warum ich mir darüber gerade jetzt Gedanken mache? Weil ich kürzlich ein Schreiben meines Versicherers erhalten habe, der mir ankündigt, dass meine Zahnzusatzversicherung künftig teurer wird. Der Monatsbeitrag steigt von knapp 22 auf fast 25 Euro. Tut mir das weh? Nein, nicht wirklich. Aber es gibt Menschen, die sich selbst einen so überschaubaren Betrag nicht leisten können. Es gibt andere, die bei einer Beitragserhöhung um knapp drei Euro von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen müssen – nur um dann zu sehen, dass andere Versicherer bei vergleichbaren Leistungen auch nicht nennenswert günstiger sind.

Liebe Versicherer, seid wenigstens ehrlich!

Ich kann nun meinem Versicherer kaum die Intransparenz vorwerfen, die mein Stromanbieter an den Tag legt, wenn er die Preise erhöht, obwohl an der Strombörse seine Einkaufspreise einmal mehr gesunken sind. Da wird dann in blumigen Worten und absurden Verrenkungen begründet, warum es teurer wird, obwohl es eigentlich billiger werden müsste. Mein Versicherer hingegen bezieht sich sachlich und verständlich auf die gesetzliche Rechtsgrundlage, die ihm die Beitragserhöhung erlaubt, weil ich eine bestimmte Alterswegmarke erreicht habe.

Allerdings – das Gesetz schreibt ihm nur die Prüfung der Rechnungsgrundlagen vor. Ob daraus eine Erhöhung folgt, liegt in den Händen des Versicherers. Er könnte den Preis auch belassen. Oder ihn gar senken. Stattdessen ist die Rede von „veränderter Inanspruchnahme“. Soll wohl heißen: Mehr Leute als üblich lassen sich die Zähne erneuern. Ob das stimmt, kann ich nicht überprüfen. Es bestehe „die Notwendigkeit einer Beitragsanpassung“ heißt es in dem Brief.

Und ich denke mir: Kinder, seid doch wenigstens ehrlich. Dieses von zig Juristen geprüfte, mit Paragrafen gespickte, aalglatte Schreiben, das kauft euch doch ohnehin niemand ab. Wisst ihr, was ich euch abgenommen und ob der Ehrlichkeit sogar hätte klaglos akzeptieren können? Eine Formulierung wie diese:

Sehr geehrter Herr Wustmann,

ab dem 1. Januar 2018 erhöht sich Ihre Zusatzversicherung um X Euro. Wir dürfen das machen, weil der Gesetzgeber es uns nicht verbietet. Wir müssen nicht. Im Grunde könnten wir Ihren Beitrag belassen, wie er ist. Aber, Sie wissen ja: Das Wachstum. Wir wollen einfach mehr Rendite. Und mit Ihnen können wir es machen, immerhin können Sie es sich leisten. Wir weisen Sie hiermit darauf hin, dass Sie nach §205 VVG ein Sonderkündigungsrecht haben. Aber das bringt Ihnen nichts, denn die Konkurrenz macht es genauso wie wir. Ist blöd für Sie, aber so ist es nunmal. Aus der beiliegenden Liste können Sie entnehmen, dass die nächste Erhöhung in fünf Jahren ansteht.

Bis dahin, mit freundlichen Grüßen
Ihre Versicherung

Und, liebe Versicherer, ihr dürft diesen Vorschlag eines Musterbriefes gerne als Vorlage für zukünftige Aussendungen verwenden. Ich bin sicher, die Kunden werden es euch danken!

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