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Immer Ärger mit … der Post

Kennen Sie das? Sie sind Kunde eines Unternehmens und ärgern sich regelmäßig über schlechten Service und lausige Leistungen. So zumindest geht es unserem Redakteur. KOLUMNE

Immer Ärger mit … der Post

©Andriy Popov / 123rf

Vormittags gegen 10 Uhr sitze ich meist am Schreibtisch und bearbeite Mails oder schreibe Artikel. Manchmal kommt um diese Zeit der Briefträger. Manchmal ist er schon um 9 da, manchmal erst um 12. Und manchmal kommt er gar nicht. Unter der Woche. Dienstags, Mittwochs, Donnerstags: Vergebliches Warten. Wenn es um Post geht, die ich beruflich benötige, ist das nicht bloß ärgerlich – es kann den ganzen Zeitplan durcheinanderwerfen.

Wenn der Postmann gar nicht klingelt…

Seit einigen Jahren geht das schon so, nicht nur hier, sondern, wenn man den diversen Recherchen von Kollegen vertrauen kann, im gesamten Bundesgebiet. Wobei einige Regionen stärker betroffen sind als andere. Man hat mitunter das Gefühl, Briefe werden nur noch nach dem Lustprinzip ausgetragen. Auch die Briefträger wechseln fast im Wochentakt. Kaum hat man sich an den einen gewöhnt, der immer freundlich ist und auch mal klingelt, wenn etwas nicht in den Briefkasten passt, ist es schon wieder ein anderer – und der stellt Sperriges ungefragt im Hausflur ab. Auf dass es sich vermehre. Ein anderer schien letztens der Auffassung zu sein, dass einfach alles in den kleinen Briefkastenschlitz passen muss. Das Ergebnis waren zerfledderte Zeitungen, aufgerissene Umschläge, geknickte Bücher.

Und wenn ich wieder mal kurz davor bin, dem Übeltäter am folgenden Tag aufzulauern und ihn mit den Überresten meiner Post vom Vortag zu bewerfen, bremse ich mich. Und versetze mich in seine Lage. Ich weiß ja nichtmal, ob er bei der Post fest angestellt ist und nach Tarif bezahlt wird. Oder ob er als Dumpinglöhner für ein Subsubsubunternehmen malocht und jeden Tag mit einem Fuß in der Arbeitslosigkeit steht. Das ist für Laien heute nicht mehr zu erkennen. Und, ganz ehrlich: Wenn Letzteres der Fall ist, dann kann ich dem Boten die schlampige Arbeit nicht übelnehmen. Ich würde es auch so machen, in der Hoffnung, dass die Kundenbeschwerden derart Überhand nehmen, dass dieses und andere Unternehmen endlich aufhören, ihren Profit auf dem Rücken der Schwächsten zu machen.

Adressat unbekannt, Inhalt futsch

Im Laufe der Jahre habe ich allerlei Absurditäten als Postkunde durchdeklinieren dürfen. Zum Beispiel eine Büchersendung, die zwei Wochen lang unterwegs war und dann zu mir zurückkam, mit einem Unzustellbar-Stempel drauf und einem zerfetzten Umschlag. Das Buch allerdings fehlte. Der Nachforschungsauftrag verlor sich wie erwartet im Nirgendwo.

Ein andermal schickte ich ein Päckchen. Auch das kam zurück. Mitten auf dem Adressaufkleber prangte ein Vermerk: Adresse des Empfängers stimmt nicht. Aber sie war zweifellos korrekt, weshalb ich zur Filiale stapfte (damals gab es noch eine eigenständige Filiale, heute ist das ein Zeitschriftenladen mit Posttheke) und darum bat, es erneut zu versuchen. „Machen wir“, sagte die freundliche Dame, „das macht dann 3,90 Euro.“ Ich verwies sie darauf, dass das Päckchen bereits bezahlt sei, wie sie gut erkennen könne, die Post es aber nicht geschafft hatte, es zum Empfänger zu bringen. Sie bestand drauf: Ohne Zahlung könne das Objekt nicht erneut versendet werden. Ich wähnte mich inmitten einer Realsatire und suchte ratlos die versteckte Kamera. Doch es gab keine. Das heißt: Die Post lässt sich eine Leistung bezahlen, erbringt diese Leistung nicht und lässt sich dann erneut bezahlen um die bereits bezahlte Leistung am Ende vielleicht doch noch zu erbringen. Kannste dir nicht ausdenken!

Auf der Qualitäts-Website der Deutschen Post hingegen wird die heile gelbe Welt gefeiert. 95 Prozent aller Briefe würden am Folgetag bereits beim Empfänger eintreffen, heißt es da. Ich gehöre zu den übrigen fünf Prozent. Denn bei mir sind Briefe (nicht immer, aber deutlich zu oft) gerne mal zwei bis vier Tage unterwegs. Aktuell warte ich auf einen, den der Absender bereits am Freitag auf die Reise geschickt hat. Heute ist Mittwoch. Und nein, es lag kein Feiertag dazwischen. Absolut zuverlässig hingegen wird jeden Samstag das in Unmengen Plastikfolie eingeschweißte Werbeblatt „Einkauf Aktuell“ im Hausflur platziert – wo der Stapel dann rumliegt, bis irgendwer sich erbarmt und ihn auf dem Weg zur Mülltonne unter den Arm klemmt.

Büchersendungen sind geduldig

Ein ganz besonderer Fall sind Büchersendungen. Ich lese viel, und ich schreibe, vor allem rund um die Buchmesse, zahlreiche Rezensionen. Büchersendungen erhalte ich andauernd und zur Messezeit geballt. Nun ist es so, dass Büchersendungen laut Website der Post eine Laufzeit von vier Tagen haben. Und das wäre, wenn es denn stimmen würde, angesichts des niedrigen Preises auch völlig ok. Die Realität ist, dass ich mich nicht erinnern kann, auch nur ein einziges Mal eine Büchersendung binnen vier Tagen erhalten zu haben. Die Regel sind eher sieben bis zehn Tage, der Rekord lag bei knapp drei Wochen (und einem erleichterten Aufatmen, denn die Sendung hatte ich schon abgeschrieben gehabt).

Was also tun? Zur Konkurrenz wechseln? Das funktioniert nicht, denn ich kann den allermeisten, die mir etwas schicken, nicht vorschreiben, welchen Dienstleister sie nutzen sollen. Und davon abgesehen: Meine seltenen Experimente mit anderen Zustellunternehmen stellte ich rasch wieder ein. Denn so lausig der Service der Post oft auch ist – bei den anderen, zumindest jenen, die ich kenne, ist er noch lausiger. Ich hab es nun mal wieder mit einer Mail an den Kundenservice versucht. Schauen wir, ob es was bringt…

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