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Immer Ärger mit … der Bahn

Kennen Sie das? Sie sind Kunde eines Unternehmens und ärgern sich regelmäßig über schlechten Service und lausige Leistungen. So zumindest geht es unserem Redakteur. KOLUMNE

Immer Ärger mit … der Bahn

©bloodua / 123rf

Gestern hatte ich es eilig. Bis 18 Uhr musste ein Beitrag fertig und ins Redaktionssystem gestellt sein. Um 19 Uhr stand dann ein Termin an. Ich plante, die S-Bahn um viertel nach sechs zu nehmen, dann käme ich auf jeden Fall pünktlich. Zwanzig Minuten Fahrt, dann zehn Minuten zu Fuß, das passt. Zur Sicherheit checkte ich die Abfahrtzeiten in der Bahn-App: Alles pünktlich auf die Minute. Als ich um zehn nach sechs am Bahnhof stand und leichter Nieselregen einsetzte, sah das allerdings anders aus. Die Anzeigentafel vermeldete eine Verspätung von zehn Minuten. Gegencheck: Die Bahn-App jetzt auch.

Das wird knapp!

Ok, denke ich, wird knapp, passt aber noch. Welch ein Irrtum! Denn zehn Minuten später verspätete sich die S-Bahn um weitere zehn Minuten. Ich rief den Kollegen an, mit dem ich zum Abendessen verabredet war und informierte ihn über die Verspätung. Als ich auflegte, vermeldete die Anzeige: Zug fällt aus. Blick in die Bahn-App: Auch der nächste hat Verspätung. Ich nahm ein Taxi.

Wenn so etwas ab und zu mal vorkäme: geschenkt. Aber gefühlt hat die Pünktlichkeitsstatistik der Bahn mit der Realität nur bedingt etwas zu tun. Auf der Strecke Köln-Hamburg sind Verspätungen mitunter eher die Regel als die Ausnahme. Wobei das nicht repräsentativ sein muss, dafür fahre ich die Strecke zu unregelmäßig. Die Strecke Aachen – Köln bin ich in den letzten drei Jahren ganze drei mal gefahren. Jedes mal mit Verspätung. Das Highlight war eine eine fast dreistündige Reise. Wohlgemerkt: Eigentlich braucht der Regionalexpress knappe 50 Minuten. Kurz vor Düren (ungefähr Streckenmitte) blieb der Zug aber einfach stehen. Um 23 Uhr. Durchsage: Irgendwas ist kaputt, keine Ahnung was, geht gleich weiter. Dann kam lange nichts. Das Ende vom Lied war ein Wartemarathon bis nach ein Uhr und der Umstieg in einen Ersatzzug auf offener Strecke. Was man dabei aber anmerken muss: Vom Zugpersonal sehr professionell und entspannt geregelt. Und auch die Fahrgäste haben es mit Humor genommen.

Halt auf freier Strecke

Das war bei einer Tour von Bremen nach Köln vor ein paar Jahren deutlich unentspannter. Ein IC mit über einer Stunde Verspätung kam mit einem Drittel Waggons zu wenig und umgekehrter Wagenreihung. Ergebnis: alle Reservierung futsch und Fahrgäste für zwei Züge, die sich in einen viel zu kurzen quetschen. Das gab dann so ein hochsommerliches U-Bahn-in-der-Rush-Hour-Feeling. Und einmal mehr kam die Frage auf, ob manche Zeitgenossen nicht etwas arg sparsam mit Seife umgehen. Nach einer Stunde Fahrt konnte ich einen Sitzplatz ergattern – und mein Sitznachbar zog ein Sixpack Bier aus seinem Rucksack. So ließ es sich einigermaßen ertragen. Für mich. Auf ihn, der nach Nürnberg wollte, wartete noch die böse Überraschung. Denn gegen Mitternacht hieß es in einer Durchsage: Dieser Zug endet außerplanmäßig in Köln. Ein Blick in die Runde, und ich sorgte mich ernsthaft um kurz bevorstehende spontane Selbstentzündungen und absolut nachfühlbare Amokläufe. Blieb aber alles ruhig. Nur der Schaffner schien von Minute zu Minute nervöser und versuchte, sich unsichtbar zu machen. Klar, der kann nichts dafür. Aber er weiß auch, dass das im Zweifelsfall vergessen wird.

Umso auflockernder sind originelle Bahnansagen. Die Gags über mangelnde Englischkenntnisse sind ja zur Genüge bekannt. Großen Spaß gab es kürzlich im Metronom kurz vor Hamburg: „Bitte nehmen Sie Ihre persönlichen Gegenstände mit, wir haben im Fundbüro schon genug von Ihrem Krempel!“ An dem Tag hat garantiert niemand etwas vergessen.

Ich könnte noch einige hundert ähnliche Episoden ergänzen, aber wenn Sie Bahn fahren kennen Sie das alles ja ohnehin schon. Und jetzt muss ich los. Feierabend! Laut App kommt die S-Bahn pünktlich… Ich denke, ich sollte diesbzüglich einfach die Taktik ändern. Wenn man die Fahrpläne als unverbindliche Abahrtprognosen interpretiert, ist man überrascht, wie oft sie realitätsnah geschätzt sind…

26. Juli 2017 10:53 Uhr
Marion Schindler

Einfach nur herrlich!!
Ich habe selten so gelacht und kann ihren Redakteur mehr als gut verstehen.
Solche niveauvoll humoristischen Artikel bringen Sonne in unser Alltagseinerlei
Gerne mehr davon

Mit vielen schmunzelnden Grüßen
M. Schindler

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