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Immer Ärger mit … dem Auto

Die Automobilindustrie steckt in einer tiefen selbstverschuldeten Krise, das Auto als urdeutscher Fetisch hat ausgedient. Und das ist gut so, findet unser Redakteur in seiner KOLUMNE.

Immer Ärger mit … dem Auto

©anyaberkut / 123rf

Die Verkaufszahlen von Autohändlern sind rückläufig. Vor allem Privatpersonen kaufen seltener einen Neuwagen. Die Stimmung in der Automobilbranche ist schlecht. Das Image des Wirtschaftsmotors Auto ist nachhaltig angekratzt. Erst der Abgasskandal, nun der Kartellskandal. Die Verbraucher fühlen sich über den Tisch gezogen. Und das in einem Land, in dem das Auto über Jahrzehnte treibende Kraft der Wirtschaft war und das Luxusprodukt Auto angebetet wurde wie kaum ein anderer Alltagsfetisch.

Das schleichende Ende des Autos

Ich muss zugeben, dass mir die Entwicklung gefällt. Ich maße mir mal ein Mitspracherecht an, obwohl ich kein Auto besitze. In den letzten Jahren beobachte ich im Freundes- und Kollegenkreis den Trend weg vom Auto. Menschen ohne Führerschein sind dabei, ihren Exotenstatus zu verlieren. Man fährt mit der Bahn und nimmt hin und wieder mal ein Taxi. Das ist weniger stressig, kostet deutlich weniger und ist umweltschonend. Der aussterbende Proll (egal ob nun die Goldkettchen- oder die Krawattenvariante) mit dicker Karre, dröhnendem Motor und blankgeputzten Felgen wird allenfalls belächelt. Und mal ehrlich: jene Leute, die über das Auto demonstrieren, was sie auf dem Konto haben, waren schon immer eine eher peinliche Gattung.

Ihr schleichendes Ende scheint besiegelt. Schon vor einigen Jahren erkannte eine Studie, dass das Auto als Statussymbol bei der jungen Generation ausgedient hat. Die Umwelt- und Gesundheitsbewussten definieren sich lieber übers Fahrrad. In Großstädten mit gut ausgebautem öffentlichen Nahverkehr und notorischem Parkplatzmangel gibt es ohnehin keine Entschuldigung mehr dafür, sich mit dem Auto ins Gemenge zu werfen.

Der Nimbus individueller Freiheit ist dahin

Den Herstellern wird man keine Träne nachweinen. Sie haben sich den Schlamassel selbst eingebrockt. Den Trend zu Elektroauto haben sie obendrein in etwa so krass verpennt wie anno dazumal Nokia das Aufkommen des Smartphones. Und der Hype des autonomen Fahrens scheint ebenfalls abzuebben, seit klar ist, welch enorme technische und auch rechtliche Hürden noch überwunden werden müssen, bis das mehr ist als eine bloße Spielerei für Nerds.

Dass die Automobilindustrie hierzulande ein so herausragendes Standig hatte, lag nicht nur an den Produkten, die weltweit respektiert wurden, sondern nicht zuletzt auch an immenser und geschickter Lobbyarbeit in Berlin. Je nachdem, wie die Sache mit der Kartellbildung ausgeht, ist zu hoffen, dass auch dort eher früher als später ein Umdenken stattfindet. In der engen Welt der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mag das Auto noch der Nimbus individueller Freiheit umweht haben. Heute ist es ein Gefährt, dass überall die Straßen verstopft und die Luft verpestet, das unnötige Massen an Ressourcen frisst und das in den meisten Fällen gar nicht mehr wirklich benötigt wird. Insofern ist auch die Autobahnmaut ein Schritt in die richtige Richtung. Das Geld wäre im Ausbau der Schienennetze gut investiert.

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