Service

Immer Ärger mit … Alexa und Co.

Seit Weihnachten muss unser Redakteur aufpassen, was er sagt, wenn er Freunde und Bekannte besucht. In beträchtlich vielen Haushalten stehen jetzt die „smarten“ Lautsprecher von Amazon, Google und Co. Und sie nerven... KOLUMNE

Immer Ärger mit … Alexa und Co.

©Chesky_W / iStock

Ich bin bei Freunden zu Besuch. Abendessen, ein paar Bierchen, ein entspannender Abend. Und ich kann nicht anders, ich muss mich als mieser Gast outen. Denn mir geht der ganze Smart Home-Hype mächtig auf den Keks. Nach Weihnachten ist die Lautsprecher-Seuche ausgebrochen. Überall stehen jetzt diese Dinger rum, von Amazon, von Google und ein paar weiteren üblichen Verdächtigen, und alle sind mächtig stolz auf ihre neuen teuren und völlig nutzlosen Spielzeuge. So sehr, dass nur die Hoffnung bleibt: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Dinger auch den größten Enthusiasten langweilig werden und dann im Keller neben all dem anderen Krempel verstauben, den man sich in geistiger Umnachtung hat aufschwatzen lassen.

Ist das alles bescheuert?

Aber bis das passiert, sagt alle paar Minuten jemand „Ok, Google“ um die Fußballergebnisse abzufragen oder sich von Alexa einen Wikipedia-Artikel vorlesen zu lassen oder um dreimal zu versuchen, einen Song abzuspielen, nur um es dann doch händisch per Smartphone-Eingabe zu erledigen, weil die smarten Lautsprecher nicht kapieren, was man will. Freilich wird dann noch versichert, dass es sonst eigentlich immer klappt. Nee, ist klar…

Dass die Teile nichts, aber auch absolut gar nichts können, was nicht auch jedes Smartphone kann (und auch da schon reichlich überflüssig ist…), das wird ignoriert. Ist halt weniger hip und cool. Kürzlich sah ich gar, wie jemand ein Selfie von sich und seiner Alexa aufnahm, um es zu instagrammen oder zu snapchatten, und ich fragte mich leicht konsterniert: Werde ich einfach nur alt, oder ist das alles wirklich so bescheuert, wie es wirkt?

Ganz old school anrufen und Pizza bestellen

Ein Kollege wollte vor ein paar Tagen mit der Zeit gehen und versuchte, so einem Ding zu verklickern, dass er eine Pizza bestellen will. Natürlich nicht direkt bei der Pizzeria. Sondern über Foodora, Lieferando oder irgendeinen anderen dieser leicht parasitären Services, die an jedem Mittagessen mitverdienen wollen ohne dafür eine für mich ersichtliche Eigenleistung zu erbringen. Als er beim vierten Versuch noch immer kein Ergebnis zustande gebracht hatte, rief ich die Pizzeria an und gab die Bestellung auf. So ganz old school. Hat funktioniert. Problemlos. Und sah auch weniger dämlich aus. Seit wann zum Teufel braucht man eine App irgendeiner Softwareschmiede, um etwas zu Essen zu bestellen? Und seit wann zum Teufel ist es cooler, die Bestellung einem Lautsprecher aufzugeben anstatt einem Menschen am Telefon? Wie zur Hölle sollte man als Zeitreisender einem Menschen aus dem 18. Jahrhundert verständlich machen, dass DAS die Zukunft ist? Der würde uns doch für komplett plemplem halten…

Und, lieber Leser, ich nehme für diese Kolumne einiges auf mich. Denn sobald ich sie auch nur einmal aufgerufen habe im Browser habe ich die Garantie darauf, für die nächsten drei Wochen mit Werbebannern bombardiert zu werden, die mich animieren wollen, eines dieser Smarties zu kaufen. Weil die Werbe-Algorithmen keinen Kontext können, sondern nur Keywords. Schöne Scheiße…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.