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Haltbarkeitsdatum: Gegen den Wegwerftrend

Viele Verbraucher entsorgen Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums – obwohl diese noch problemlos essbar wären. In Norwegen wollen Molkereien dem nun entgegenwirken. Und auch in Deutschland wird über Reformen debattiert.

Haltbarkeitsdatum: Gegen den Wegwerftrend

©nobtis / iStock

Wie das Fachmagazin Agrar heute berichtet, wollen die beiden norwegischen Großmolkereien Tine und Q ein neue Kennzeichnung zur Produkthaltbarkeit einführen. Diese soll demnach „Mindestens haltbar bis, aber nicht schlecht nach“ lauten. Der Grund ist, dass Umfragen zufolge zahlreiche Verbraucher noch genießbare Lebensmittel entsorgen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist – oder sogar schon kurz davor. Dadurch landen jedes Jahr Tonnen an noch genießbaren Lebensmitteln auf dem Müll.

Best before: Das sinnvollere Haltbarkeitsdatum

Auch in Deutschland und auf EU-Ebene wird über eine neue Kennzeichnung debattiert. Die aktuelle Variante ist offensichtlich für viele Verbraucher missverständlich. Genauer ist das im englischen Sprachraum gebräuchliche „Best before“: Es bezeichnet, dass ein Produkt vor einem bestimmten Datum seine optimalen Eigenschaften in Geschmack, Konsistenz und Aussehen behält, danach aber durchaus auch noch genießbar ist. Außerdem gibt es Lebensmittel wie beispielsweise Salz, die nahezu unverderblich sind und trotzdem mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) Versehen werden.

Grundsätzlich müssen Verbraucher zwischen dem Ablaufdatum und dem Mindesthaltbarkeitsdatum unterscheiden. Das Ablaufdatum bezieht sich auf leicht verderbliche Waren wie Fleisch oder Fisch, bei denen ein Verzehr von verdorbener Ware gesundheitsschädlich sein kann. Frische Ware wie Obst oder Gemüse hat in der Regel gar kein Ablaufdatum. Durch Schimmelbildung oder Geruch ist bei Frischwaren leicht zu erkennen, ob sie noch genießbar sind oder nicht.

Was schlecht ist, riecht auch schlecht

Das Mindesthaltbarkeitsdatum hingegen legt der Hersteller fest um anzuzeigen, wie lange ein Produkt sich im optimalen Zustand befindet. Zahlreiche verarbeitete und verpackte Nahrungsmittel sind aber auch Monate oder sogar Jahre nach Ablauf des MHD noch gefahrlos essbar. Dazu gehören beispielsweise Konserven. Auch gelatinebasierte Süßigkeiten, die im Wesentlichen aus Zucker und Aromen bestehen, oder Schokolade, sind sehr lange haltbar. Wer unsicher ist, sollte die Packung öffnen und am Produkt riechen. Dosen wölben sich außerdem, wenn der Inhalt schlecht wird. Auch gefrorene Waren können kaum verderben, solange die Kühlkette nicht unterbrochen wird.

Vorsicht sollte man nur bei geöffneten Packungen walten lassen und geöffnete Lebensmittel nicht hohen Temperaturen aussetzen, sie im Sommer also nicht zu lange in der Sonne liegen lassen. Auch hier hilft meist ein Geruchstest recht zuverlässig.

Die übertriebene Vorsicht, die dazu führt, dass Lebensmittel unmittelbar nach Ablauf des MHD entsorgt werden, ist unbegründet. Das MHD trifft in keiner Weise eine Aussage über die Genießbarkeit von Lebensmitteln.

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