Finanzen

Grundsicherung im Alter: Wer ist betroffen?

Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich in Deutschland immer weiter. Und immer mehr Menschen sind von Altersarmut bedroht, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. Laut Statistischem Bundesamt bezog zuletzt über eine halbe Million Rentner die Grundsicherung. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl annähernd verdoppelt. Wie kommt das zustande und was bedeutet es für die Betroffenen?

Grundsicherung im Alter: Wer ist betroffen?

Altersarmut wird in den kommenden Jahren immer mehr in Deutschland auftreten.
©Pixabay

Der massive Anstieg der Altersarmut in Deutschland begann vor rund zehn Jahren und lässt sich daher ganz direkt mit der Agenda 2010 der damaligen rot-grünen Bundesregierung in Verbindung bringen. Davon abgesehen, dass es seither mehrere direkte und indirekte Rentenkürzungen zuungunsten des Solidarsystems und zugunsten der privaten Versicherungsindustrie gab, die mit teils zweifelhaften privaten Zusatzprodukten die finanzielle Absicherung im Alter gewährleisten sollten, führte die Agendapolitik samt Hartz IV zu einer beispiellosen Ausweitung des Niedriglohnsektors, in dem das, was die Menschen erwirtschaften, so gering ist, dass sie auf direktem Weg in die Altersarmut geschickt werden. Daran ändert auch der inzwischen eingeführte gesetzliche Mindestlohn von 8,50 € in der Stunde kaum etwas. Frauen sind öfter betroffen als Männer, weil sie oft aus familiären Gründen einer weniger stetige Erwerbsbiografie haben.

Was ist die Grundsicherung?

Die Grundsicherung ist eine staatliche Leistung auf die, wie auf das Arbeitslosengeld II, jeder Bundesbürger Anspruch hat, wenn sein monatlich zur Verfügung stehendes Einkommen gewisse Grenzen unterschreitet. Laut Deutscher Rentenversicherung ist eine Prüfung sinnvoll, wenn monatlich weniger als 773, – € zur Verfügung stehen. Eine gesetzliche Rente zu erzielen, die höher liegt, wird immer schwieriger. Im Schnitt beträgt der monatliche Rentenanspruch inzwischen deutlich unter 50 % des letzten Bruttoeinkommens. Relevant ist, wie viel man verdient hat und wie lange man erwerbstätig war. Geringverdiener, Menschen, die oft arbeitslos waren oder aufgrund von Krankheit nicht arbeiten konnten, laufen oft Gefahr, eine nicht existenzsichernde Rente im Alter zu erhalten, aus der der komplette Lebensunterhalt bestritten werden muss. Wer entsprechend niedrige Ansprüche bei Beginn der Regelaltersgrenze hat, hat Anrecht auf eine Aufstockung auf Höhe der Grundsicherung.

Sichert die Grundsicherung die Existenz?

In der Theorie soll die Grundsicherung die wesentlichen Lebenshaltungskosten, darunter Wohnung, Heizung, Strom, Krankenversicherung und einige weitere Posten abdecken bzw. sicherstellen. In der Praxis dürfte das aber schwierig werden. Alleinstehende haben demnach ein Anrecht auf monatlich bis zu 391, – € sowie die real anfallenden Kosten für eine „angemessene“ Unterkunft, genau wie Empfänger von Hartz IV. Die Regeln für Anrechnungen und Schonvermögen sind ebenfalls dieselben. Ein würdiger Lebensabend ist davon kaum zu bestreiten, erst recht nicht, wenn Zuzahlungen für Medikamente und medizinische Behandlungen hinzukommen, die nur in bestimmten Fällen bezuschusst werden.

Mindestrente ab 2017?

Um die Problematik zu entschärfen, plant die Bundesregierung derzeit die Einführung einer Mindestrente ab 2017. Die Mindestrente soll aber keineswegs für alle gelten, sondern setzt wiederum mindestens 35, später 40 Beitragsjahre voraus, wobei ein gewisser Zeitraum von Arbeitslosigkeit bei der Berechnung toleriert werden soll. Ersten Medienberichten zufolge droht die Mindestrente aber bereits im Vorfeld, sich als Mogelpackung zu entpuppen. Denn Voraussetzung soll einerseits ein Riester-Vertrag sein, andererseits ist trotz allem nicht gewährleistet, dass die Mindestrente spürbar über den heutigen Leistungen der Grundsicherung liegen wird. Das Problem der Altersarmut, soviel steht jetzt schon fest, wird dieses Instrument weder lösen noch entschärfen.

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