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Goodbye WindowsPhone: Nachruf auf ein Betriebssystem

Microsoft begräbt sein mobiles Betriebssystem. Wie der Konzern verkündete, werden Nutzer zwar weiterhin mit Sicherheitsupdates versorgt. Neue Versionen der Software oder gar darauf ausgelegte Hardware soll es aber nicht mehr geben. Das ist bedauerlich. Ein Kommentar

Goodbye WindowsPhone: Nachruf auf ein Betriebssystem

©AdrianHancu / iStock

Windows Mobile: Das Smartphone-Betriebssystem von Microsoft hatte im Vergleich zur Konkurrenz einen winzigen Marktanteil und konnte sich gegen die Konkurrenz von iOS (Apple) und Android (Google) nie wirklich durchsetzen. Oft wurde es belächelt, als Exot behandelt. Zu Unrecht. Das Problem war Microsofts Marketing. Der Gigant aus Redmond hat es nicht geschafft, den Verbrauchern sein System als ernstzunehmende Alternative schmackhaft zu machen. Nun werden wir dabei zusehen können wie es langsam aber sicher vom Markt verschwinden wird.

WindowsPhone: Top-System schlecht vermarktet

Das selbe Schicksal hätte auch das Desktop-Betriebssystem ereilen können, wäre Microsofts Marktmacht nicht so groß. Wer erinnert sich noch an die Einführung von Windows 8 mit der Metro UI, dem berüchtigten Startmenü in Kacheloptik. Wer erinnert sich noch an den Aufschrei, der damals durch die DAU-Landschaft ging, weil viele wirklich glaubten, Windows sei nun nur noch per Touch zu bedienen? Zugegeben, es war zweierlei: Ein Unternehmen, dem es nicht gelang, eine wirklich gute und durchdachte neue Oberfläche vernünftig zu kommunizieren, traf auf extrem konservative Nutzer, die panische Angst vor jeder Veränderung haben, und die tatsächlich so krampfhaft am unnötig komplizierten alten Startmenü festhielten, dass findige Programmierer es zurückholten.

Und Windows Mobile? Sollte Apple, Samsung und Co Konkurrenz machen. Doch es gelang nicht. Auch ich, so erinnere ich mich, ignorierte das mobile Windows ziemlich lange. Die Kampagnen sprachen mich nicht an, auf Screenshots sahen die Tile-Menüs im Kontrast zu iOS und Andoid furchtbar langweilig und altbacken aus. Bis zu jenem Tag, an dem ich mich entschied, mir das OS mal genauer anzusehen – schließlich wollte ich genau wissen, worum es geht. Und siehe da – ich wurde so positiv überrascht, dass ich zeitweise sogar auf ein Smartphone mit Windows Mobile umstieg. Überhaupt konnte die Hardware, die Microsoft erst unter dem Label Nokia Lumia, dann unter dem eigenen Namen auf den Markt brachte, sowohl in der Mitteklasse als auch im High-End-Sektor spielend mit der Konkurrenz mithalten, war teilweise sogar besser.

Die Hardware ein ästhetischer Alptraum

Und das Betriebssystem selbst? War optisch ein Genuss, von funktionaler Eleganz, eingängig, komplett individualisierbar (was für Apple bekanntlich bis heute ein Fremdwort ist) und, auch sehr wichtig: Komplett kompatibel mit dem Desktop-Betriebssystem zu einer Zeit, als das für Android-Nutzer noch eine sehr hakelige und für Apple-Nutzer eine unmögliche Angelegenheit war.

Warum bin ich schlussendlich doch wieder zu Android gewechselt? Weil Windows Mobile sich nicht durchsetzte. Also – für mich persönlich schon. Und ich mag es bis heute mehr als die Alternativen. Aber zum einen war die Auswahl an wirklich guter Hardware stets zu knapp. Samsung zum Beispiel brachte 2013 mit dem Ativ S gerade mal ein einziges Windows Phone in der technischen Mittelklasse. Es floppte, und die Koreaner begruben weitere Experimente. So auch viele andere Hersteller. Und so überzeugend die Lumias technisch auch waren – sie waren ein ästhetischer Alptraum. Als sich der Marktanteil auch nach Jahren und unzähligen Anstrengungen seitens Microsoft nicht bewegte, wurde klar, dass das Ende des Systems nur noch eine Frage der Zeit war. Dementsprechend litt die Software von Drittanbietern. Viele wichtige Apps waren einfach nicht verfügbar. Der Todesstoß für jedes mobile Betriebssystem.

Und alles nur, weil es Microsoft nicht gelungen ist, ein an sich rundum gutes System auch gut zu vermarkten und den Verbrauchern zu vermitteln….

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