Flug- und Bahnreisen – diese Rechte haben Sie
Da hat man wochenlang auf seine Urlaubsreise hin gefiebert und in freudiger Erwartung Koffer gepackt. Doch jetzt sitzt man auf ebendiesen in einer großen Wartehalle. Bahn oder Flug sind auf unbestimmte Zeit verspätet oder fallen ganz aus. Was macht man am besten in solchen Fällen und welche Rechte haben Passagiere überhaupt?
von Charlotte Ruzanski
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© thinkstock

Für ihre Pünktlichkeit ist die Deutsche Bahn nicht unbedingt bekannt. Vor allem Pendler kennen das müßige Warten am Bahnsteig. Was viele nicht kennen: Die Rechte, die sie haben, wenn Regionalbahn oder Fernzug Verspätung haben.

bbx.de klärt auf, wann es sich lohnt, eine Verspätung nicht einfach hinzunehmen.

Verspätungen bei Bahnreisen

Ein Zug fährt in den Bahnhof ein.

Bei Bahnreisen gelten in Nah- und Fernverkehr unterschiedliche Regelungen. © thinkstock

Die Warterei am Bahnhof ist schon nervig genug, aber besonders ärgerlich ist es, wenn man nicht mal weiß, warum man eigentlich warten muss und wie lange überhaupt … Aus diesem Grund sind Bahnunternehmen verpflichtet ihre Kunden über die Situation sowie die geschätzte Abfahrts- und Ankunftszeit zu unterrichten.

Ebenfalls gilt: Müssen Passagiere lange warten, sollte die Bahn den Reisenden Verpflegung im Verhältnis zur Wartedauer bereitstellen.

Im Fernverkehr ist Geduld gefordert …

Entsprechend dem internationalen Recht haben Fahrgäste bei Zugverspätungen ein Recht auf eine Teilerstattung des Fahrpreises. Diese fällt höher aus, je größer die Verspätung ist:

  • 1 bis 3 Stunden: mindestens 25 % des Fahrkartenpreises
  • ab 2 Stunden: mindestens 50 % des Fahrkartenpreises

Regelungen im Regionalverkehr

Bei Verbindungen des Nahverkehrs müssen Fahrgäste keine ganze Stunde Verspätung in Kauf nehmen, ehe sie ein Recht auf Entschädigung bzw. Ersatzleistung haben.

  • ab einer Verspätung von 20 Minuten: Möglichkeit auf eine alternative Verbindung umzusteigen. Ein kostenloses Upgrade auf IC und ICE ist möglich
  • Verspätung von mindestens 60 Minuten in der Nacht: Kostenerstattung bis zu 80, – € für ein anderes Verkehrsmittel, z. B. Taxi
  • die Kostenerstattung bis zu 80, – € für ein alternatives Verkehrsmittel gilt auch, wenn der letzte fahrplanmäßige Anschluss des Tages verpasst wird

Unwetter und Streik

Seit dem vergangenen Jahr haben Bahnreisende sogar dann einen Anspruch auf Entschädigung, wenn Verspätungen durch „höhere Gewalt“ ausgelöst wurden, wie der Europäische Gerichtshof im September 2013 entschied. Als höhere Gewalt gelten Ereignisse,  die das Bahnunternehmen nicht kontrollieren kann wie etwa Unwetter oder Streik.

Bei einem Streik kann der Fahrgast von seiner Fahrt zurücktreten und hat das Recht auf die volle Kostenerstattung seiner Fahrkarte.

Rechte bei Flugreisen

Flughafenterminal

Flugstrecke und Verspätungsdauer entscheiden über die Höhe der Entschädigung. © thinkstock

Immer wieder wird auch der Flugverkehr durch Schneechaos, Vogelschwärme, technische Defekte oder streikende Fluglotsen regelrecht lahmgelegt. Aber egal, was der Grund für die Verspätung oder Annullierung des Fluges ist, spätestens nach einer halben Stunde muss die Airline ihre Passagiere genau über die Verspätung informieren.

Die Betreuungspflicht der Airlines

Bei Verspätungen und Flugausfällen muss die Airline einer Betreuungspflicht nachkommen. Unter Betreuungsleistung fällt die Bereitstellung von Mahlzeiten und Getränken angemessen der Wartezeit. Den betroffenen Passagieren muss außerdem die Möglichkeit zu zwei kostenlosen Telefonaten, Telefaxen oder E-Mails gewährleistet werden. Erfordert die Verzögerung auch eine Unterbringung über Nacht, liegt auch das im Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft. Der Transfer zwischen Flughafen und Hotel muss ebenfalls vom Unternehmen übernommen werden.

Verspätungen bei Flugreisen

Ähnlich wie bei Bahnreisen haben Flugreisende ein Recht auf Entschädigung. Wie hoch die Entschädigung ausfällt, ist abhängig von der Entfernung zum Reiseziel. Wird das Reiseziel jedoch mit einem Alternativflug innerhalb einer bestimmten Frist erreicht, halbiert sich die Höhe der Entschädigung.

Entschädigungshöhe innerhalb der EU:

  • Bis 1.500 km: 250, – €, ab 2 Stunden Verspätung
  • Ab 1.500 km: 400, – €, ab 3 Stunden Verspätung

Entschädigungshöhe zwischen einem EU- und nicht-EU-Land:

  • Bis 1.500 km: 250, – €, ab 2 Stunden Verspätung
  • 1.500 bis 3.500 km: 400, – €, ab 3 Stunden Verspätung
  • Ab 3.500 km: 600, – €, ab 4 Stunden Verspätung

Ab einer Verspätung von 5 Stunden können Passagiere vom Flug zurücktreten und den Flugpreis zurückfordern. Wurde die Reise an einem anderen Flughafen begonnen, besteht das Recht sobald wie möglich zum ersten Abflugort zurückzukehren.

Wenn der Flug ganz ausfällt

Entfällt ein Flug komplett, ist das Flugunternehmen verpflichtet, seine Kunden bis spätestens zwei Wochen vor der geplanten Abreise davon in Kenntnis zu setzen. Kommt die Information erst später, gelten besondere Vorschriften:

  • Bis zu einer Woche vor der Abreise: Angebot eines Alternativfluges, bei dem die neue Abflugzeit nicht mehr als 2 Stunden von der ursprünglichen abweicht und das Ziel maximal 4 Stunden später erreicht wird.
  • Weniger als eine Woche vor der Abreise: Angebot eines Alternativfluges, bei dem die neue Abflugzeit nicht mehr als 1 Stunde von der ursprünglichen abweicht und das Ziel maximal 2 Stunden später erreicht wird.

Passagiere haben bei Flugausfällen Anspruch auf:

  • Ausgleichszahlung
  • Erstattung des Ticketpreises innerhalb von 7 Tagen. Gegebenenfalls in Verbindung mit einem Rückflug zum Startflughafen der Reise.
  • Alternative Beförderung zum Reiseziel unter vergleichbaren Bedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

Außergewöhnliche Umstände

Doch nicht in jedem Fall können Fluggäste bei einem verspäteten oder annullierten Flug Leistungen von der Airline einfordern. Wenn „außergewöhnliche Umstände“ ursächlich für die Verspätung sind, entfallen sämtliche Ansprüche.

Bei außergewöhnlichen Umständen handelt es sich um Ursachen, die die Fluggesellschaft nicht beeinflussen kann. Darunter fallen Naturkatastrophen oder Streik.

Die WirtschaftsWoche berichtet, dass Airlines diese Umstände bei Flugverspätungen und -ausfällen immer wieder als Ausflucht genutzt haben, um keine Zahlungen leisten zu müssen. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile einen Katalog, der genau erfasst, was als ein außergewöhnlicher Umstand gilt.

Von der Betreuungspflicht ihrer Passagiere werden Flugunternehmen allerdings auch bei außergewöhnlichen Umständen nicht entbunden! Doch wurde diese mittlerweile auf maximal drei Tage begrenzt. Nach dieser Zeit sind Passagiere auf sich selbst gestellt. Lange Zeit waren die Airlines zu einer unbegrenzten Betreuung verpflichtet, wie bspw. im Jahr 2010 als in Island der Vulkan Eyjafjällajökull für eine Woche den gesamten Flugverkehr lahmlegte.

von Charlotte Ruzanski
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