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Facebook: Der Algorithmus spinnt

Facebook hat angekündigt, weiter am Algorithmus, der den Newsfeed lenkt, schrauben zu wollen. Dabei ist die wirre Vorsortierung der Beiträge schon jetzt kaum noch zu gebrauchen, einige Funktionen sind Totalausfälle. Macht sich das größte Soziale Netzwerk überflüssig? Ein Kommentar

Facebook: Der Algorithmus spinnt

©coffeekai / iStock

Dass Facebook, wie jedes andere vergleichbare Unternehmen auch, an seiner Technik schraubt und sie konsequent zu verbessern sucht, ist nur logisch. Das Problem dabei: Seit geraumer Zeit wird das System des Sozialen Netzwerks von Update zu Update schlechter. Das betrifft vor allem den Newsfeed, in dem sämtliche Beiträge von anderen Nutzern und abonnierten Seiten reinlaufen sollen.

Schon vor einigen Jahren wurde dieser Feed einem Algorithmus unterstellt, der die Beiträge vorsortieren soll. Und zwar so, dass der Nutzer jene Beiträge, die ihn am meisten interessieren, zuerst angezeigt bekommt. Wirklich gut funktioniert hat das noch nie. Dabei kennt Facebook seine Mitglieder in- und auswendig. Es kennt ihr Surfverhalten außerhalb von Facebook; weiß, was sie beim Onlineshopping bestellen; weiß, auf welchen Seiten sie wie lange verweilen und was sie dort anklicken; weiß, mit welchen anderen Nutzern sie sich mehr, mit welchen sie sich weniger austauschen; weiß durch das Auslesen des Adressbuchs auf dem Handy, mit wem man auch privat in Kontakt steht. Und so weiter. Die Liste ließe sich ewig verlängern.

Facebooks Newsfeed ist kaputt

Offiziell soll das dabei helfen, Anzeigen direkt bei der eng definierten Zielgruppe abzuliefern, um für die werbenden Unternehmen den Streuverlust zu verringern und die Reaktionsquote zu erhöhen. Ob das wirklich funktioniert darf bezweifelt werden.Zu oft fragt man sich bei den inzwischen in einer nervigen Unmenge in den Newsfeed gespülten Anzeigen, wie zum Teufel Facebook auf die Idee kommt, dass genau das für den Nutzer interessant sein könnte. Eine Verbindung zum eigenen Verhalten lässt sich eher selten ziehen.

Wer von der Vorsortierung durch den Algorithmus genervt war, hatte bis vor einigen Monaten noch die Option, auf den Button „Neuste Meldungen“ zu klicken. Das knipste den Algorithmus aus und sorgte dafür, dass nahezu alle Beiträge in chronologischer Reihenfolge angezeigt wurden. Den Button gibt es zwar noch immer. Aber ihn zu benutzen fühlt sich an, als würde man mit einem Systemfehler jonglieren. Heute führt er dazu, dass teils mehrere Tage alte Beiträge in völlig wirrer Anordnung angezeigt werden – absolut nicht mehr sinnvoll nutzbar. Und wer auf Facebook unterwegs ist, weiß: Es gibt viele Nutzer, die deswegen ihre Interaktion runterschrauben.

An manchen Tagen werden fast gar keine Beiträge mehr angezeigt. Der Newsfeed besteht dann nur noch aus den Likes und Reaktionen der „Freunde“ auf alles mögliche Zeug (zuvor wurde das in einer kleinen Box oben rechts angezeigt, was wesentlich sinnvoller war). Es scheint, als hielte Mark Zuckerberg seine Kunden für zu blöd, um selbst entscheiden zu können, was sie sehen möchten und was nicht. Schließlich hat man immer die Option, Seiten oder Kontakte stumm zu schalten, wenn sie zu viele Selfies oder verwaschene Stillleben ihres Mittagessens posten (ja, solche User gibt es noch immer).

Facebook weiß, wo man sich befindet … nicht!

Zwar kann man eine Liste mit Seiten und Kontakten erstellen, die zuerst angezeigt werden sollen. Aber erstens ist diese Liste sehr begrenzt, und zweitens entscheidet der Algorithmus auch hier völlig willkürlich, wann er sich an die Voreinstellung hält und wann er sie aus unersichtlichen Gründen ignoriert.

Aber nicht nur der Newsfeed ist seit den letzten Updates ein Trümmerhaufen. Auch der Messenger funktioniert nur noch rudimentär. Nicht selten werden Messages gar nicht gesendet. Und wenn doch, dann ist es stets nur eine Frage der Zeit, bis sich wieder mal jemand verklickt und seine Freunde unabsichtlich auffordert, die restlos überflüssige Messenger-App zu installieren (die, das sei am Rande bemerkt, andauernd im Hintergrund aktiv ist und die Akkuleistung des Smartphones spürbar negativ beeinträchtigt – ein No-Go!)

Dass auf der Timeline in letzter Zeit auch dann, wenn man diese Funktion deaktiviert hat, der Standort des Nutzers angezeigt wird, wäre dreist, wenn das System nicht auch hierbei ein Totalschaden wäre – denn es zeigt zuverlässig Orte an, an denen man sich gerade nicht aufhält. Mitunter versetzt es den verdutzten Nutzer gar in ein anderes Bundesland.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn das so weitergeht, gibt es keinen vernünftigen Grund mehr, Facebook weiter zu nutzen. Die Zeit des größten Social Network scheint langsam aber sicher abzulaufen. Die junge Nutzergeneration hat sich ohnehin längst nach Alternativen umgesehen…

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