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Ernährungsreport 2017: Wie die Deutschen essen

Die Deutschen sind berüchtigt – weil sie im Gegensatz zu Menschen aus anderen Ländern nur sehr wenig Geld für Essen ausgeben. Heißt das, dass sie ungesund leben und sich schlecht ernähren? Nicht unbedingt. Das zeigt der Ernährungsreport 2017, der Anfang Januar vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgestellt wurde.

Ernährungsreport 2017: Wie die Deutschen essen

©StockSnap / Pixabay

Im Auftrag des Ministeriums hat Forsa 1000 Bundesbürger zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Und dabei kam manch überraschendes Ergebnis zutage. Zum Beispiel, dass Ostdeutsche nur halb so oft (11%) am Tag zu Süßigkeiten greifen wie Wessis (23%). Oder dass mehr Frauen (63%) als Männer (46%) eine einfache und schnelle Essenszubereitung bevorzugen. Dafür kaufen Frauen „bewusster ein“ und achten mehrheitlich auf Bio- und Fair-Trade-Siegel (hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn viele Siegel sind bloß Marketing-Instrumente!).

Tierwohl: Qualität darf teuer sein

Vielen Verbrauchern ist inzwischen das Tierwohl und eine artgerechte Haltung wichtig (47%), eine überwältigende Mehrheit wünscht sich eine weitergehende Kennzeichnung und größere Transparenz. „Insgesamt hat sich der Trend zu mehr Tierwohl weiter verfestigt“, sagt Bundesernährungsminister Christian Schmidt. „Das haben wir auch in den vielen Debatten im vergangen Jahr erlebt. Dabei stimmt mich positiv, wenn sich immer mehr Menschen für die Arbeit der Landwirtschaft interessieren und sich einbringen wollen. Ich werde deshalb ein staatliches Tierwohllabel einführen. Eckpunkte werde ich auf der Grünen Woche vorstellen“, versprach Minister Schmidt – der zuletzt wegen seiner Forderung für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, vegane Produkte sollten nicht mehr mit Begriffen wie „Wurst“ beworben werden, denn das sei Irreführung der Verbraucher. Ob die zuletzt sichtbar gewordene Nähe des Ministers zur deutschen Fleischindustrie wirklich hilfreich dabei ist, das Tierwohl in der industriellen Massentierhaltung zu verbessern, darf bezweifelt werden. Dabei wäre das durchaus im Sinne der Verbraucher, da bei besserer Haltung zwangsläufig auch die Qualität besser würde. Denn wer will schon mit Antibiotika und Stresshormonen durchsetztes Fleisch essen? Ganze 88% der Verbraucher wären bereit, für bessere Qualität und artgerechtere Tierhaltung, mehr Geld zu bezahlen.

Schulfach Ernährungskunde?

Dabei dürfte dort kaum Grund zur Sorge bestehen. Zwar wächst der Marktanteil vegetarischer und veganer Produkte, insgesamt ist er aber noch winzig. Und 53% der Befragten gaben an, dass sie am liebsten Fleisch essen, dicht gefolgt von Nudeln (38%). Gemüse ist mit 20% weit abgeschlagen, gefolgt von Fisch (16%) oder Geflügel (13%). Hinzu kommt, dass nur noch 39% täglich selbst kochen, während 11% sich gar nicht mehr selbst an den Herd stellen – alles deutliche Anzeichen für eine insgesamt wenig gesunde und wenig ausgewogene Ernährung. Interessant ist, dass vor allem die junge Generation (14-18 Jahre) ein großes Interesse daran zeigt, selbst zu kochen. Minister Schmidt nahm das zum Anlass, über die Einführung eines entsprechenden Schulfaches zu sinnieren. Das ist sicher eine gute Idee – man kann nur hoffen, dass er es sich nicht von der Fertigfood-Lobby wieder ausreden lässt. Mulmig kann einem werden, wenn man im Ernährungsreport sieht, dass immerhin 36% der Befragten die Werbung für ein adäquates Medium halten, um sich über Lebensmittel zu informieren.

Haltbarkeitsdatum: Ein Auslaufmodell

Interessant auch die Haltung zur Haltbarkeit: Zuletzt gab es eine hitzige Diskussion über die mögliche Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD), da zuviele Menschen es mit dem Verfallsdatum verwechseln und noch genießbare Lebensmittel entsorgen. 70% sprechen sich daher für eine Neuregelung aus – etwa den Verzicht auf das MHD bei sehr lange haltbaren Lebensmitteln. Schmidt dazu: „Wir erkennen also deutlich, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum ein gesellschaftliches Auslaufmodell ist. Die Verbraucher wünschen sich ein klares Datum, wann ein Lebensmittel nicht mehr genießbar ist.“

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