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EEG-Umlage: Steigt der Strompreis 2017 weiter?

An der Börse sinken die Strompreise – aber für die Privathaushalte wird es voraussichtlich wieder mal teurer. Grund ist die steigende EEG-Umlage, die den Strompreis 2017 ansteigen lassen wird. Das ist vor allem für einkommensschwache Haushalte ein Problem. Und es lässt die Zustimmung zur Energiewende in der deutschen Bevölkerung weiter sinken. Worauf müssen sich die Verbraucher einstellen?

EEG-Umlage: Steigt der Strompreis 2017 weiter?

©ginasanders / 123rf

Seit der Jahrtausendwende kennen die Strompreise für Endverbraucher, von sehr kurzen Einbrüchen abgesehen, nur einen Weg: Aufwärts. Für Gut- unf Normalverdiener ist das ärgerlich, für Geringverdiener und Arbeitslose kann es existenzbedrohend sein. Und auch im kommenden Jahr wird sich der Trend fortsetzen. Der Thinktank Agora Energiewende geht davon aus, dass die EEG-Umlage zur Finanzierung Erneuerbarer Energien von momentan 6,35 auf bis zu 7,3 Cent pro Kilowattstunde steigen wird – und zwar weil der eigentliche Strompreis sinkt. Momentan liegt er an der Strombörse bei rund 2,5 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Verlust wird den Ökostromproduzenten über eine ansteigende EEG-Umlage ausgeglichen. Der Endverbraucher zahlt aufgrund von Steuern und Abgaben mehr als das Zehnfache des Börsenpreises. Der kWh-Preis setzt sich aus zehn Einzelkomponenten zusammen, von denen der tatsächlich Preis für den Strom nur einen Buchteil ausmacht.

Strompreis 2017 stabil?

„Die Kosten für die Stromverbraucher bleiben weitgehend konstant, wenn die Stromvertriebe ehrlich rechnen und ihre gesunkenen Einkaufspreise weitergeben“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, rechnet also damit, dass der Strompreis 2017 für Privatkunden konstant bleiben könnte. Wie realistisch diese Einschätzung ist, muss sich zeigen. Bislang stehen die Stromkonzerne eher dafür in der Kritik, Vorteile beim Einkauf nicht an ihre Kunden weiterzugeben, sie an Preissteigerungen aber volumfänglich zu beteiligen.

Die Energiewende selbst ist dabei auf einem guten Weg. Im Jahr 2014 wurde erstmals die 30%-Marke überschritten, derzeit stammen gut ein Drittel im Strommix aus erneuerbaren Energien. Laut Agora wird der Anteil im kommenden Jahr auf gut 35% anwachsen.

Ökostrom billiger als Atomenergie

Unterm Strich ist Ökostrom wesentlich billiger als Atomstrom. Bei Letzterem wurden aber die Verbraucher nur indirekt belastet, merkten von den hohen Kosten also nichts auf ihrer Stromrechnung. Der Großteil an Subventionen kam aus dem Steuertopf – ebenso wie die Milliarden zur Abwicklung stillgelegter Atommeiler und der teuren Endlagerung. Die Frage ist, ob nicht eine Steuerfinanzierung der EEG-Umlage die Akzeptanz für die Energiewende verbessern könnte. Vor allem schwache Haushalte könnten mit so einem Schritt spürbar entlastet werden. Zwar ist die Zustimmung für die verstärkte Verwendung Erneuerbarer Energien in der deutschen Bevölkerung generell hoch – je nach Umfrage zwischen siebzig und 93% -, diese Zustimmung ist aber gefährdet, wenn die Streompreise weiter steigen. Und Verbraucher haben faktisch kaum eine Möglichkeit, ihre Kosten nennenswert zu senken, wenn der Endpreis beständig ansteigt.

Auch der Wechsel des Stromanbieters bringt meist nur eine kurzfristuge Entlastung, etwa indem man von Neukundenboni profitiert.

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Leserkommentare
10. August 2016 13:47 Uhr
K.H.Schlusche

Bei Preisangaben für Endverbraucher müssen grundsätzlich die 19% Mehrwertsteuer inklusive ausgewiesen werden. Daher wird auch die EEG-Umlage für den Privatkunden in 2017 nicht bei 7,3 cent/kWh sondern bei 8,7 cent/kwh brutto liegen. Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh zahlt demnach knapp 350 Euro brutto in den EEG-Umlagetopf.

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