Höhere Betriebsrente für Männer
Die Einführung der Unisex-Tarife hat das Leistungsspektrum in nahezu allen Versicherungssparten verschoben. Auch bei der Betriebsrente.
von Susanne Herrenbrück

Die Policen sind für das eine oder andere Geschlecht billiger oder teurer geworden, auch die Leistungen haben sich geändert. Bei der Betriebsrente ergibt sich ein überraschendes Ergebnis, wie das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) im Frühjahr 2013 ermittelte: Männer erhalten künftig – im Gegensatz zur klassischen Rentenversicherung – mehr Betriebsrente.

Betriebsrente künftig vorteilhafter für Männer

Das erstaunliche Phänomen der künftig besseren Betriebsrente für Männer lässt sich versicherungsmathematisch erklären: In den Kollektiven herrscht eine ungleiche Geschlechterverteilung, vor allem in den Großbetrieben der Industrie, in denen die betriebliche Altersversorgung (bAV) weit verbreitet ist. Hier arbeiten mehr Männer und zahlen überproportional viel in die Betriebsrente ein.

Seit der Einführung der Unisex-Tarife erhalten sie im Rentenfall auch mehr dafür. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, denn in der klassischen Rentenversicherung profitieren die Frauen von den Unisex-Tarifen. Bislang waren sie aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung benachteiligt, das ändert sich nun. Was genau bei der Betriebsrente herausspringt, hängt freilich auch davon ab, in welcher Form sie abgeschlossen wird.

Für die bAV gibt es unterschiedlichste Konstrukte, die sich teils mit internen Lösungen an die klassische Rentenversicherung anlehnen (Pensionsfonds, Pensionszusage, Pensionskasse) und teilweise den externen Weg über Direktversicherung oder Unterstützungskasse gehen. Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern die Wahloptionen anbieten, von denen auch die spätere Leistung einer betrieblichen Altersvorsorge abhängt.

Betriebsrente schlägt klassische Rentenversicherung

Die Kalkulation einer bAV ist wegen der progressiven Besteuerung der Auszahlungen im Alter schwer zu kalkulieren, weil es versicherungstechnisch nur Schätzungen darüber gibt, wie das Verhältnis der Steuerbefreiung bei den Einzahlungen zur Steuerlast bei den Auszahlungen ausfällt – das hängt natürlich von der Lebenserwartung der heute Berufstätigen ab.

Eines kann das IVFP aber sicher belegen: Seit es Unisex-Tarife gibt, werden männliche Kunden über eine bAV im Verhältnis zu ihren Einzahlungen mehr erhalten als Frauen und auch mehr als bei klassischen Renten. Das IVFP bezeichnet die Betriebsrente sogar als “Chance schlechthin” für Männer, seit es Unisex gäbe.

Das Verhältnis lässt sich auch in Prozenten ausdrücken: Bei klassischen Rententarifen erhalten Männer künftig 6,23 % weniger an Rente, bei den Direktversicherungen der bAV hingegen 3,44 % mehr.

von Susanne Herrenbrück
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