Aus Angst versichert – wie die Werbung künstlich einen Bedarf erzeugt
Ein Klischee über die Deutschen lautet, sie seien Sicherheitsfanatiker. Alles muss gut geplant und abgesichert sein. Versicherungen gegen alle möglichen Eventualitäten stehen hoch im Kurs. Es scheint in Deutschland die Devise zu gelten: Lieber zehn Versicherungen zu viel als eine zu wenig. Doch was riskiert man eigentlich, wenn man das alles etwas lockerer nimmt?
von Gerrit Wustmann
© thinkstock

In den meisten Fällen nicht viel. Natürlich gibt es Versicherungen, die sinnvoll und unverzichtbar sind. Dazu gehören in erster Linie Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung, und auch um die Haftpflicht kommt niemand herum, ebenso wie um die Kfz-Versicherung, wenn man ein Auto hat. Bei diesen Versicherungen erschließt sich der Sinn und Nutzen sofort, da denkt man im Grunde kaum noch drüber nach.

 Viele Versicherungen sind überflüssig

Aber natürlich ist das längst nicht alles. Es gibt tausende Versicherungen auf dem Markt. Viele davon benötigen nur bestimmte Personengruppen unter bestimmten Umständen. Das heißt: Eine Versicherung, die für den einen sinnvoll ist, kann für den anderen gänzlich überflüssig sein.

Dass ein Dachdecker eine Unfallversicherung braucht ist ebenso klar, wie dass der Schreibtischarbeiter sie nicht braucht. Und darüber hinaus gibt es unzählige Versicherungen, die definitiv niemand braucht, weil einzig und allein der Versicherer von ihnen (und der Gutgläubigkeit der Kunden) profitiert. Handy-Versicherungen, die den Kunden beim Kauf eines Geräts aufgeschwatzt werden, sind so ein Beispiel. Oder generell Versicherungen gegen Diebstahl, die in aller Regel so viele Ausschlussklauseln im Kleingedruckten enthalten, dass die Wahrscheinlichkeit, im Schadensfall Geld zu sehen, ähnlich hoch ist wie die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns.

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Die Statistik zeigt, welche Versicherungen die Deutschen abgeschlossen haben.

An sich ist es mit einiger Überlegung nicht weiter schwer, festzustellen, welche Versicherungen man braucht und welche nicht. Die meisten Menschen machen sich hierüber erstmals zum Berufseinstieg Gedanken, viele lassen sich von den Eltern beraten. Doch im Laufe des Lebens hat man es immer wieder mit dem Thema zu tun. Freunde erzählen, gegen was sie sich versichert haben, und schon beginnt man zu überlegen, ob man das selbst nicht auch benötigt. Versicherungsvertreter tragen einem vermeintlich supergünstige Angebote an, drängen zum schnellen Abschluss und verschweigen dabei freilich, dass sie nicht pro Stunde, sondern pro Vertrag bezahlt werden und diesen Leistungsdruck an den Kunden weitergeben.

Sich nicht unter Druck setzen oder beeinflussen lassen

Das Gefühl nach Bedarf wird nicht nur im persönlichen Umfeld, auf dem klassischen Weg der TV-Werbung oder mittels Anzeigen auf Internetseiten, in Zeitungen und Magazinen erzeugt. Die Versicherungsindustrie hat ein enormes PR-Budget, und immer wieder gibt es Kampagnen, die es schaffen, ein bestimmtes Thema in den Massenmedien hochzujubeln und in der Gesellschaft Ängste zu erzeugen. Aber gegen diese Ängste gibt es Versicherungen. Eins der populärsten Beispiele hierfür ist die Angst vor Altersarmut. Die gesetzliche Rente ist nicht mehr sicher – das ist eine Dauerbotschaft, die der privaten Versicherungsindustrie in die Hände spielt. Die Botschaft ist nicht falsch. Sie bringt Kunden aber dazu, übereilt Verträge abzuschließen, ohne sie genau gelesen und mit anderen verglichen zu haben. Das kann dazu führen, dass man Versicherungen abschließt, die zum eigenen Nachteil sind.

Man kann sich schützen, indem man ein paar Grundregeln beachtet:

  • Sich immer genau fragen: brauche ich das wirklich? Im Zweifelsfall mit Freunden sprechen, Vor- und Nachteile abwägen
  • Niemals unter (Zeit)Druck Verträge unterschreiben
  • Immer kritisch nachfragen und nachrechnen
  • Angebote unterschiedlicher Versicherungen vergleichen
  • Das Kleingedruckte genau lesen
  • Egal wie dringend es scheint: sich Zeit nehmen um abzuwägen
von Gerrit Wustmann
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