Kostenloser und unabhängiger Geschäftskonto Vergleich
  • Optimale Finanzierungsmöglichkeiten
  • Schnelle Auszahlung
  • 100% transparent und kostenlos
Unternehmensart
  1. Home
  2. Finanzen
  3. Arbeitslosenversicherung für Selbständige

Arbeitslosenversicherung für Selbständige
Wenn Selbständigen die Aufträge ausgehen, haben sie ein Problem. Denn die meisten sind nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert und viele haben nur geringe Rücklagen. Welche Möglichkeiten zur Absicherung gibt es? Und für wen sind sie geeignet?
von Gerrit Wustmann
Arbeitslosenversicherung für Selbständige
© StGrafix / iStock

Eines wird in der Corona-Krise wieder deutlich: Während Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld erhalten oder bei Jobverlust Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben, fallen Selbständige und insbesondere Soloselbständige und Freiberufler tief und hart. In der Regel sind sie nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert. Der Großteil der Soforthilfen von Bund und Ländern darf nur zur Deckung von Betriebsausgaben verwendet werden. Aber nicht für die persönliche Lebenshaltung. Wer in dieser Situation keine ausreichenden Rücklagen hat, dem bleibt nur das Arbeitslosengeld II. Er fällt von einem auf den anderen Tag auf das Existenzminimum. Auch der im Zuge der Pandemie erleichterte Zugang zum ALG II für Selbständige und Künstler ist da nur ein schwacher Trost.

Viele Betroffene dürften daher in diesen Tagen erstmals drüber nachdenken, wie sie sich absichern können, damit so etwas in Zukunft nicht noch einmal passiert. Doch welche Möglichkeiten gibt es für Selbständige, dem massiven Verlust von Aufträgen vorzubeugen? Kann man sich überhaupt freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern und rechnet sich das? Grundsätzlich können Selbständige bei der Arbeitsagentur einen Antrag auf Aufnahme in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung stellen. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen:

Arbeitslosenversicherung in der Gründungsphase

Der erste Haken ergibt sich bereits aus der knappen Entscheidungsfrist. Denn die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung steht Selbständigen nur in der ersten drei Monaten der Gründungsphase zur Verfügung. Das heißt: Selbständige, die ihren Beruf bereits länger oder gar schon seit Jahren ausüben sind außen vor.

Und auch in der Gründungsphase gibt es weitere Voraussetzungen. So kann nur derjenige in die Versicherung kommen, der in den drei Jahren zuvor mindestens zwölf Monate einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist oder bereits Arbeitslosengeld I oder II bezogen hat. Das heißt: Wer sich direkt nach Schule oder Uni selbständig macht, wird nicht versichert.

Das bringt einige Schwierigkeiten mit sich. Zum einen muss man diese Regeln kennen – und in der Phase der Unternehmensgründung kann es durchaus vorkommen, dass einem etwas entgeht, denn es ist eine Menge, worauf man achten muss. Wer sich minimal verspätet, hat keine Chance mehr.

Arbeitslosenversicherung für Selbständige ist teuer

Der nächste Haken sind die Kosten. Sie sind auch der maßgebliche Grund dafür, dass nur ein relativ kleiner Teil der kleinen Selbständigen, insbesondere der Soloselbständigen, freiwillig versichert ist. Denn der monatliche Versicherungsbeitrag bemisst sich nicht, wie bei Arbeitnehmern, am tatsächlichen Einkommen. Sondern an einem fiktiven monatlichen Bruttoeinkommen von 3185 Euro in Westdeutschland bzw. 3010 Euro in Ostdeutschland. Diese Zahlen entsprechen dem Stand von 2020 und können sich jederzeit ändern. In den letzten Jahren wurden sie mehrfach angehoben.

Der Beitragsanteil zur Arbeitslosenversicherung beträgt 2,4 Prozent dieses fiktiven Bruttoeinkommens, also aktuell 76,44 Euro im Westen und 72,24 Euro im Osten. Da Gründer in der Regel erstmal viel Geld investieren aber nur wenig Geld verdienen, müssen sie im Gründungsjahr nur einen um die Hälfte verminderten Satz zahlen, aktuell also 38,22 bzw. 36,12 Euro.

Dieser niedrige Betrag kann in der Gründungsphase tatsächlich nach einer kostengünstigen Absicherung aussehen. Doch viele Gründer brauchen deutlich länger als ein Jahr, bis sie ein ordentliches und einigermaßen sicheres Einkommen erzielen. Und nur wenige kommen rasch oder gar dauerhaft auf ein regelmäßiges Einkommen von mehr als 3000 Euro. Das heißt: Verdient man über mehrere Jahre deutlich weniger, dann ist der Beitragssatz unverhältnismäßig hoch und kann ein schmerzhaftes Loch in die Kasse reißen. Die Versicherung in so einem Fall einfach zu kündigen, ist allerdings nicht ohne Weiteres möglich. Denn rein formal kommt man da frühestens nach fünf Jahren wieder raus, und der vorzeitige Ausstieg ist kompliziert und nicht immer möglich. Es sei denn, man gibt seine Selbständigkeit wieder auf.

Hohe Beiträge, geringer Nutzen

Doch nicht nur die Beiträge richten sich an fiktiven und für viele Soloselbständige völlig unrealistischen Werten aus – sondern auch die Leistungen, die im Fall einer Arbeitslosigkeit gezahlt werden. Diese haben rein gar nichts mit der tatsächlichen Tätigkeit oder dem tatsächlichen Einkommen zu tun. Und das obwohl es anhand der Steuerbescheide problemlos möglich wäre, ein durchschnittliches Monatsbrutto der letzten Beschäftigungsjahre zu ermitteln.

Stattdessen wird die Höhe ziemlich willkürlich am Ausbildungsstand des Versicherten festgemacht und rangiert zwischen knapp 900 Euro (keine Ausbildung) und maximal rund 1600 Euro (mit Hochschulabschluss). Das bedeutet für Versicherte ohne Ausbildung, dass der Satz, den sie einzahlen müssen, sich an deutlich höheren Werten orientiert als der, der ihnen im Fall der Erwerbslosigkeit ausgezahlt wird. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf seitens des Gesetzgebers. Denn eine Reform, die sich am tatsächlichen Einkommen orientiert würde nicht nur drastische Ungerechtigkeiten beseitigen, sondern könnte auch dazu führen, dass wesentlich mehr Gründer eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abschließen würden – was für den Staat unterm Strich deutlich günstiger wäre. Denn aktuell fallen nicht versicherte Selbständige bei Erwerbslosigkeit ohne Umweg auf das ALG II (‚Hartz IV‘).

Gründer sollten nach aktueller Lage sehr genau überlegen, ob sich die Versicherung für sie lohnt. Auf der untersten Stufe (ohne Ausbildung) lohnt sie sich definitiv nicht. Denn vergleichsweise hohen Kosten steht eine Leistung gegenüber, die sich in etwa auf Höhe der Grundsicherung bewegt – und darauf hat man so oder so Anspruch. Sinnvoll ist die Versicherung zur Zeit (Stand 2020) im Grunde nur für Selbständige mit Hochschulabschluss, die vergleichsweise gut verdienen und sich die Beiträge auch langfristig problemlos leisten können.

Auch die Zuverdienstgrenze ist mit 165 Euro monatlich (Stand 2020) knapp bemessen. Jeder darüber hinausgehende Euro wird auf die Versicherungsleistung angerechnet. Im Klartext: Er ist verloren.

von Gerrit Wustmann

Schreibe einen Kommentar

Kommentar*
Name*
E-Mail*
Website
Sie das gute Gefühl, immer bestens informiert zu sein.
Risikofrei: jederzeit kündbar. Kein Spam.
© 2020 qmedia GmbH.
Genießen Sie das gute Gefühl, immer bestens informiert zu sein.
Mit der BBX erfahren Sie jede Woche das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur – kritisch und tiefgründig.
Risikofrei: jederzeit kündbar. Kein Spam.