Berufsunfähigkeit

BUV: Abstrakte Verweisung

Wer beim Studium seiner Versicherungspolice den Begriff „abstrakte Verweisung“ finden, sollte aufmerksam werden. Abstrakte Verweisungen sind leistungseinschränkende Klauseln von Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Bei einer Berufsunfähigkeit ist es dem Betroffenen aufgrund einer Erkrankung, eines Unfalles oder Invalidität nicht mehr möglich, den bisher ausgeübten Beruf weiter auszuführen. Grundsätzlich ist es dem Betroffenen aufgrund seiner körperlichen Verfassung aber durchaus möglich, einen anderen Beruf als den angestammten auszuüben – auch wenn das bedeuten würde, einen Beruf anzunehmen, der (weit) weniger Qualifikation erfordert oder schlechter bezahlt ist.

Solche sogenannten abstrakten Verweisungen sind heute kaum noch zu finden – manche Versicherungspolicen beinhalten diese Bestimmung allerdings noch immer.

Abstrakte Verweisungen bedeuten konkret, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung im Schadensfall verlangen kann, dass der Versicherungsnehmer fortan einen anderen Beruf ausübt. Man erhält also keine der vertraglich vereinbarten Leistungen von der Versicherung, solange es dem Geschädigten noch möglich ist, irgendeiner Tätigkeit nachzugehen.

Lage auf dem Arbeitsmarkt irrelevant

Der Versicherung ist – sofern eine abstrakte Verweisung inkludiert ist – vollkommen egal, ob man im Falle der Leistungsverweigerung nun auch tatsächlich eine andere Beschäftigung findet oder nicht. Sollte es aufgrund der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt also nicht gelingen, einen anderen Beruf auszuüben, bekommt man trotzdem keine finanzielle Hilfe seitens der Berufsunfähigkeitsversicherung. Und auch der Staat leistet seit den Reformen im Jahr 2009 keinerlei Berufsunfähigkeitsrente mehr.

Die abstrakte Verweisung in der Versicherungspolice kann einen also bei einer Berufsunfähigkeit dazu zwingen, eine andere Beschäftigung anzunehmen – ganz gleich, ob daraus weniger Gehalt, weniger gesellschaftliche Anerkennung oder weniger Lebensqualität für den Geschädigten resultiert. Deshalb sollte man stets vor Vertragsabschluss genau darauf achten, ob eine abstrakte Verweisung in der Versicherungspolice inkludiert ist.

Autor
Susanne Herrenbrück
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